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17. – 18. September 2009

Velotour Kalifornien

188 km, 3780 Hm

Berufeshalber war ich im September 2009 eine knappe Woche in Davis nahe Sacramento. Danach blieb ich mit einem Arbeitskollegen noch eine weitere Woche ferienhalber in Kalifornien. Da ich jedoch lieber Aktivferien mache, kam ich auf die Idee ein Velo zu mieten. Ich plante auf einem Rennvelo und mit minimalem Gepäck vom Sacramento Valley durch den Yosemite Park über den Tioga Pass (3031 m) und auf der anderen Seite hinunter zum Lake Mono zu fahren. Je nach Zeit und Lust wollte ich danach noch weiter zum Lake Tahoe. Für dieses Unterfangen plante ich maximal 5 Tage ein. Mein Arbeitskollege wollte zeitgleich dieselbe Strecke per Mietauto besichtigen und mich im Falle eines Problems mitnehmen. Doch leider lief die Tour wegen ungenügender Vorbereitung und etwas Pech nicht ganz wie geplant.

Donnerstag, 17. September 2009

Lodi – Sorona

103 km, 1430 Hm

Am Donnerstag Morgen nach ich den Zug von Davis nach Lodi mit Umsteigen in Sacramento. Die amerikanischen Züge, zumindest diese Linien, eigneten sich bestens für den Fahrrad-Transport. Ausserdem waren sie sehr gemütlich, jedoch nicht sehr schnell. Kurz nach 11 Uhr traf ich in Lodi ein und machte mich per Fahrrad auf den Weg Richtung Osten. Der erste Teil war ziemlich flach und ich kam ausgezeichnet vorwärts. Es hatte von Anfang an nicht sehr viel Verkehr und es wurde länger je weniger. Zudem waren die Strassen angenehm breit. Bei Lockeford machte ich einen ersten Halt um Esswaren aber vorallem Getränke einzukaufen. Denn es war sehr heiss und bis hierhin hatte es keine schattenspendende Bäume.

Je weiter ich fuhr, desto hügeliger wurde das Gelände. Und so langsam machten sich die ersten kleineren Probleme bemerkbar. Ich trug ein paar Kleinigkeiten in einem Rucksack mit mir. Anfangs erschien mir dies kein Problem, doch mit der Zeit fing es an im Schulterbereich zu ziehen. Zudem machte mir die Hitze ein wenig zu schaffen. Ich nahm sehr viel Flüssigkeit zu mir, verspührte jedoch keinen Hunger und musste mich fast zwingen von Zeit zu Zeit etwas kleines zu essen. Was mir jedoch am meisten zu denken gab, war die Tatsache, dass mein gemietetes Fahrrad keine ganz kleinen Gänge hatte. Da hatte ich im Geschäft schlicht und einfach zuwenig darauf geschaut. So musste ich bei den steileren Aufstiegen jeweils recht viel Kraft einsetzten.

Auf Grund dieser verschiedener Punkte wurde das Velofahren am späteren Nachmittag länger je anstrengender und ich war froh in Sonora ab dem Sattel zu steigen. Jedoch auch am Abend hatte ich kaum Hunger und musste mich richtig anstrengen ein Teller Spaghetti zu essen.

Karte

Höhenprofil

Freitag, 18. September 2009

Sorona – Yosemite

85 km, 2350 Hm

Der 2. Tag begann eher gemütlich. Auf den ersten 30 km ging es fast durchwegs leicht abwärts. Doch dies änderte sich in Mocassin schlagartig. Auf den folgenden 9 km stieg die Strasse um über 500 m an. Nun machten sich die kleinen Probleme vom Vortag richtig bemerkbar. Die Temperaturen waren weit über 30°C und ich hatte leider hatte ich irgendwo auf der Abfahrt eine der 2 grossen Trinkflaschen verloren. Aber das grösste Problem waren die fehlenden kleinen Gänge. Ich musste ständig mit voller Kraft fahren sehr ermüdend war. Irgendwo im Aufstieg ging mir das Wasser aus, obwohl ich versucht hatte zu rationieren. Ich war heilfroh, dass zuoberst von diesen 9 km Aufstieg ein Ausichtspunkt mit Restaurant war. Dort legte ich eine längere Pause ein, bei der ich zirka 2 Liter trank und weitere 2 Liter für die Weiterfahrt kaufte.

Leider merkte ich bereits nach wenigen Metern der Weiterfahrt, dass ich mich nicht richtig erholt hatte. Ich fühlte mich ziemlich kraftlos und musste bei den steileren Abschnitten richtig kämpfen. Zum Glück wurde es nach wenigen Kilometern um einiges flacher, obwohl immer mal wieder giftige Aufstiege zu bewältigen waren. So ging es einigermassen gut, bis nach Kilometer 60 wiederum ein längerer, steiler Aufstieg folgte. Spätestens dort began ich ernsthaft zu überlegen, ob ich wirklich Richtung Tioga Pass weiter fahren wollte oder später bei der Abzweigung hinunter ins Yosemite Village.

Irgendwann nach Kilometer 70 wurde mir der Entscheid abgenommen. In einer Kurve zuunterst einer kurzen Abfahrt lagen Glassplitter, und ich fing mir einen Platten am Hinterrad ein. Naiverweise hatte ich die Pumpe und das Flickzeug mit dem Gepäck im Auto meines Kollegen gelassen. Nun bemerkte ich auch, dass ich kein Handynetz hatte und ihn daher nicht anrufen konnte. Daher versuchte ich es mit Autostop. Jedoch dachten sich die Amerikaner wohl, dass ein Mann mit einem Fahrrad auch Fahrrad fahren könnte. Niemand nahm mich mit und das, obwohl die meisten einen Pick-up fuhren. Also schob ich mein Fahrrad ein paar Kilometer um wenigstens etwas vorwärts zu kommen. Schliesslich hatte ich doch noch Glück und ein Junges Päarchen nahm mich mit. Jedoch nur für einen Kilometer, danach verliessen sie die Hauptstrasse. Sie waren auf dem Weg zu einer alternativen Party, die diese Nacht irgendwo dort im Wald stattfand. Ich wurde auch eingeladen, lehnte aber ab, da dies meine Situation nicht entscheidend verbessert hätte.

Nach ein paar weiteren Kilometern Schieben erreichte ich den offiziellen Eingang des Parkes. Die Schalter waren verlassen, aber auf dem anliegenden Parkplatz standen ein paar Autos. Ich sprach zwei Junge Typen mit einem Pick-up an und sie waren sofort bereit mir zu helfen. Es handelte sich um Dave und Mike die nach Yosemite-Village zum Zelten fuhren. Sie setzten mich im Dorf-Zentrum ab, wo ich direkt ein Hotel aufsuchte. Dort erklärte man mir leider, dass im ganzen Tal kein Zimmer mehr frei war. Ich fragte extra noch nach, ob dies auch für's nahegelegene Curry-Village galt, was mir bestätigt wurde. Später stellte sich heraus, dass mein Arbeitskollege kurz vor mir im gleichen Hotel eintraf, die gleichen Antworten erhielt, jedoch mit dem Auto trotzdem nach Curry-Village fuhr und dort problemlos ein Zimmer fand...

Ich sah nur noch die Möglichkeit entweder per ÖV aus dem Tal wegzukommen oder mein Fahrrad irgendwo reparieren zu können und noch ein wenig weiter zu fahren. Doch der Fahrradladen in Yosemite-Village war bereits geschlossen. Glücklicherweise verliess später am Abend noch ein Bus den Nationalpark. Ich hatte noch Zeit zuvor etwas essen zu gehen und war froh als mich um 21 Uhr der Bus samt Fahrrad mitnahm. Damit war mein Ziel Tioga-Pass endgültig nicht mehr realisierbar und ich beschloss bis ganz hinunter ins Sacramento-Valley zu fahren und das ganze Vorhaben abzubrechen. Irgendwann nach Mitternacht traf ich in der Kleinstadt Merced ein. Die Stadt machten nicht gerade einen einladenden Eindruck und ich war froh gegen 1 Uhr morgens ein Zimmer in einem schäbigen Motel zu finden.

Am nächsten Tag fuhr ich per Zug zurück nach Davis wo ich das Fahrrad zurückbrachte. Das Wochenende verbrachte ich in Sacramento, bevor ich am Sonntag Abend endlich wieder Kontakt mit meinem Arbeitskollegen hatte und am Montag morgen per Bus hinauf an den Lake Tahoe fuhr, wo wir uns fast wie geplant nach 5 Tagen wieder trafen.

Fazit: Die schlussendlich nur 2-tägige Tour hatte mir mental und körperlich einiges abverlangt und ich war natürlich erstmal ein wenig enttäuscht, dass das Unterfangen nicht geklappt hatte. Mit ein wenig Abstand musste ich natürlich einsehen, dass die Vorbereitung absolut ungenügend war für ein doch recht ambitioniertes Projekt. Ich hatte mich einfach zu sehr darauf verlassen, dass im Notfall mein Arbeitskollege mit dem Auto zur Stelle sein würde. Daran, dass eventuell keine Handyverbindung bestehen konnte, hatte ich keine Sekunde lang gedacht. Ich bin jedoch überzeugt, dass mit Reiserädern und einer besseren Planung diese Tour durchaus machbar wäre. Denn grundsätzlch wäre die breite, wenig befahrene Tioga Passstrasse durchaus geeignet für eine Fahrradtour.

Karte

Höhenprofil